EU-Zertifikat für Berufsschule in Ntarama

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Vom Schüler zum Solar-Ausbilder: Augsburger Stiftung baut Berufsbildungszentrum zum Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien aus.
Augsburg/Ntarama, 02.11.2026 – Ruanda setzt auf Solarstrom und braucht dafür Fachkräfte. Das PATRIZIA Vocational Training Centre in Ntarama bildet Solarfachkräfte aus und hat den ersten staatlich anerkannten Ausbildungsgang „Renewable Energy“ mit 20 Schülerinnen und Schülern in Ruanda gestartet. Der PATRIZIA Berufsschule wurde von der European Training Foundation (ETF), einer Agentur der Europäischen Union, das Qualitätszertifikat „Committed to Excellence“ verliehen. Die Schule in Ntarama gilt nun als international anerkannter Qualitätsstandort und wurde im Jahr 2026 neben Einrichtungen in Äthiopien und Tansania als eine von drei ausgezeichneten Bildungsstätten in Afrika ausgezeichnet.
Für das ETF-Zertifikat hat die Schule ihre Arbeit in einem strukturierten Selbstbewertungsverfahren anhand von 23 internationalen Qualitätskriterien geprüft und daraus einen Entwicklungsplan für die kommenden Jahre erarbeitet. Der Bedarf ist groß: Ruanda will bis 2029 alle Haushalte mit Strom versorgen. Schon heute bezieht rund jeder vierte Haushalt seinen Strom aus Solaranlagen und anderen netzunabhängigen Systemen. Im Distrikt Bugesera, in dem die Schule liegt, sind es 27 Prozent. Der neue Ausbildungsgang vermittelt Planung, Installation und Wartung von Solaranlagen, also genau die Fähigkeiten, die auf Ruandas Arbeitsmarkt gefragt sind. Der Aufbau des Fachbereichs `Erneuerbare Energien´ wird zusätzlich von der Volkswagen Belegschaftsstiftung gefördert.
„Die Schule wird bereits seit 2008 von der PATRIZIA Foundation gefördert. Fast zwei Jahrzehnte später entstehen dort nun neue, arbeitsmarktorientierte Ausbildungsangebote. Das ist ein hervorragender Beleg dafür, dass langfristige Partnerschaften mehr bewirken können als einmalige Investitionen in Schulgebäude“, erklärt Astrid Gabler, Vorstandsvorsitzende der PATRIZIA Foundation. „Ging es im Gründungsjahr 2008 noch darum, jungen Menschen an einem vom Genozid schwer getroffenen Ort überhaupt irgendeinen Beruf zu ermöglichen, so bildet die Schule heute die Fachkräfte für die Energieversorgung in Ruanda aus“, so Gabler weiter.
Ein ehemaliger Schüler wird international qualifiziert und kehrt als Ausbilder zurück
Wichtig ist, dass das Know-how vor Ort bleibt. Wie das gelingt, zeigt Daniel Bikorimana. Er gehörte 2025 zum ersten Jahrgang des Solar-Kurzlehrgangs und setzte sich als einer der Besten in einem Auswahlverfahren durch. Gemeinsam mit einem Lehrer der Schule wurde er sechs Monate lang an einem Partnerinstitut in Accra, Ghana, zum Ausbilder für Solartechnik weitergebildet und erhielt ein international anerkanntes Zertifikat der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK). Jetzt ist er nach Ruanda zurückgekehrt, um im neuen Fachbereich für erneuerbare Energien zu unterrichten. „Diese Chance wird nicht nur mein eigenes Leben verändern, sondern auch das meiner Familie und der Menschen um mich herum“, berichtet Bikorimana.
Hintergrund
Das PATRIZIA Vocational Training Centre Ntarama, in Ruanda unter dem offiziellen Namen `Nelson Mandela Technical Secondary School´ bekannt, wird seit 2008 von der PATRIZIA Foundation gefördert. Es liegt im Distrikt Bugesera, nahe der Gedenkstätte Ntarama, die an die Opfer des Genozids an den Tutsi 1994 erinnert. Die Region war besonders schwer betroffen; die psychosozialen und wirtschaftlichen Folgen sind bis heute spürbar. Inzwischen haben an der Schule rund 2.500 junge Menschen eine Berufsausbildung erhalten. In den vergangenen Jahren hat die Stiftung im Rahmen der Zusammenarbeit das Curriculum um ein Digitalisierungsprogramm und den Fachbereich Erneuerbare Energien erweitert. Heute versorgt sich die Schule mit mehr als 100 Solarmodulen vollständig netzunabhängig mit Strom.