Christoph Liedtke: Wertschöpfung für Generationen

Apr. 2021

Als Head of Corporate Communications verantwortet Christoph Liedtke seit März 2020 die gesamte Kommunikation der PATRIZIA AG. Seit Beginn des Jahres 2021 ist er außerdem im
Vorstand der PATRIZIA Foundation tätig.

… ein paar persönliche Fragen am Anfang

Herr Liedtke, Sie sind ja vor nicht allzu langer Zeit aus einer Beratungsfirma in die PATRIZIA AG gewechselt. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Fast zeitgleich mit meinem Wechsel zu PATRIZIA ging die Corona-Krise los. Ich bin damit praktisch ohne Anlauf direkt in der Krisenkommunikation gestartet. Dabei kam mir zugute, dass ich seit 2017 bereits mit PATRIZIA als Kommunikationsberater zusammengearbeitet habe. Das Jahr hat mir auch gezeigt, dass meine Entscheidung zu PATRIZIA zu gehen richtig war. Ich kann hier meine Erfahrung auf Unternehmensseite bei SAP, Infineon Technologies und Qimonda einbringen und den Weg von PATRIZIA zum globalen Innovations- und Technologieführer aktiv mitunterstützen. Außerdem hat mich Wolfgang Egger als Mensch, Unternehmer und Persönlichkeit beeindruckt. Wir haben uns von der ersten Begegnung an sehr gut verstanden und schätzen uns als Sparring Partner. 

Wofür genau sind Sie bei der PATRIZIA AG zuständig? Was macht ein Head of Corporate Communications?

Corporate Communications ist gesamtverantwortlich für die Kommunikation des Unternehmens. Das betrifft die interne und die externe Kommunikation, und den Dialog von PATRIZIA mit seinen wesentlichen Zielgruppen. Zur internen Kommunikation gehören unsere virtuellen „Townhalls“, die PAT Talks und die internen Kommunikationskanäle Intranet und Yammer als interner Social-Media-Kanal sowie unser Mitarbeitermagazin Lily. Extern geht es darum, PATRIZIA proaktiv in den relevanten Fach- und Business Medien zu positionieren, ein starkes Netzwerk mit relevanten Journalisten aufzubauen und wichtige Themen zu besetzen.

 Das zweite ist: Wir müssen unser Geschäftsmodell und unsere Strategie sehr gut verstehen, damit wir erklären können, welche Ziele wir verfolgen und welche Schwerpunkte das Unternehmen setzt. Letzte Woche hatten wir zum Beispiel unseren ersten virtuellen PAT Talk in diesem Jahr, bei dem der Vorstand allen PATRIZIAnern unsere Geschäftszahlen und Performance 2020 erklärt und einen Ausblick auf unsere strategischen Prioritäten und unsere Geschäftsentwicklung 2021 gegeben haben. 

Es geht bei unserem Thema heute ja um Wertschöpfung für Generationen. Wie trägt Corporate Communications hierzu bei?

Kommunikation ist eine umfassende Disziplin. Und natürlich trägt Kommunikation zur Wertschöpfung bei. Je höher die Visibilität und Reputation eines Unternehmens, desto besser sind die Zugänge zu Märkten und Kunden. Das Unternehmen wird anders wahrgenommen, denn überzeugende und glaubwürdige Kommunikation hilft, neue Kundenverbindungen aufzubauen und bestehende zu vertiefen. Der indirekte Wertbeitrag guter Kommunikation für ein Unternehmen ist enorm. Wir können es nur nicht so direkt messen, wie wir gerne möchten. Das ist ein bisschen die Krux. Kommunikatoren managen eben keine Fonds oder Assets. Mein Anspruch ist klar, einen aktiven Beitrag zur Wertschöpfung von PATRIZIA zu leisten. 

Wie sieht dieser aktive Wertschöpfungsbeitrag aus?

Kommunikation muss das Geschäft begleiten und unterstützen, das ist die Kernaufgabe. Wir haben die Verantwortung, dass unsere Strategie und Geschäftsentwicklung intern und extern verstanden, akzeptiert und unterstützt werden. So schaffen wir Vertrauen und Mehrwert – dazu gehört Kunden zu gewinnen, Mitarbeiter zu binden und zu motivieren, oder Banken und Investoren zu überzeugen. Hier sind wir als Kommunikatoren gefordert: einfach, plausibel, faktenbasiert und überzeugend zu informieren, aufzuklären und eng mit unseren Zielgruppen zusammenarbeiten.

PATRIZIA, communities & sustainable futures

Gerade läuft ja in puncto Nachhaltigkeitsbestrebungen unheimlich viel – Aldi verkauft keine Eier mehr von Hühnermastbetrieben die Küken schreddern, die HVB entdeckt die Nachhaltigkeit gemeinsam mit Felix Neureuther in Ihrer DNA, welche Nachhaltigkeitsbestrebungen fallen Ihnen derzeit positiv auf, mal unabhängig von der Immobilienbranche?

Das Thema Nachhaltigkeit gibt es schon länger ebenso wie den Klimawandel. Aber Nachhaltigkeit hat durch die Beschleunigung des Klimawandels, durch die „Friday’s for future“-Bewegung und auch die Auswirkungen der Pandemie eine neue Dimension erfahren. Die Frage, die sich heute jeder stellen muss: Wie gestalte ich mein individuelles Konsumverhalten. Und Unternehmen müssen sich fragen: Welchen Beitrag leisten wir für eine nachhaltige Wirtschaft. Das fängt bei Verpackung an und hört beim Autokauf auf. Und für die Immobilienbranche heißt das: Wie nachhaltig schaffe ich Werte für Investoren ebenso wie für Mieter. Wir haben als Menschheit in den letzten 50 Jahren nicht besonders nachhaltig gelebt, sondern auf Kosten künftiger Generationen. Das ist eine Herausforderung für alle, aber besonders eine Verantwortung für diejenigen, die von unserer Wohlstandsentwicklung am meisten profitiert haben.

Schaut man auf Digitalisierung und Technologie sehe ich 2 Aspekte. Digitalisierung und KI ermöglichen smarte Lösungen, die enorme Ressourcen sparen. Nicht erst seit der Pandemie haben viele Firmen durch Investitionen in Digitalisierung und virtuelle Kommunikation Ressourcen eingespart. SAP hat schon vor 10 Jahren den ersten virtuellen Raum für Vorstandssitzungen gebaut, um Vorstände aus Walldorf, NY, San Francisco und Singapur virtuell zusammenzuschalten. Damit haben wir die Hälfte der Vorstandsflugreisen eingespart. Das ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz.

Digitalisierung kann aber auch Ressourcenverschwendung fördern. Unsere Online-Wirtschaft in Verbindung mit grenzenlosem Konsum und Convenience führt teilweise zu enormem Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung, damit Menschen Ihre Wünsche hübsch verpackt vor die Tür geliefert bekommen. Das sehe ich zweischneidig, ich glaube wir müssen Digitalisierung und Technologie noch viel stärker nutzen, um nachhaltiger zu wirtschaften. 

Auf der Agenda der PATRIZIA AG steht „Building communities & sustainable futures” ganz oben. Wie kann man das mit Shareholder Value in Einklang bringen?

Hier geht es um die Sinnstiftung unseres Unternehmens, unseren „Purpose.“ Das heißt: Wenn wir Immobilien finanzieren und bauen, schaffen wir Assets mit einen Life-Cycle von 50 bis 100 Jahren, oder noch länger. Wir prägen damit nachhaltig das Bild und Zusammenleben in Städten und Gemeinden. Unsere Investitionstätigkeit hat eine völlig andere Wirkung auf die Gesellschaft, als wenn wir ein Konsumgut verkaufen, wie eine Waschmaschine, oder ein Smartphone.

Wir sind nachhaltig an der Wertsteigerung von Objekten interessiert, in die wir investieren. Dazu gehört auch, dass diese Nachhaltigkeitskriterien erfüllen und wir unseren Immobilienbestand auch in dieser Hinsicht ständig verbessern – sonst lassen sich keine Wertsteigerungen erzielen. Das kommt natürlich nicht nur unseren Investoren, sondern auch indirekt unseren Aktionären zugute.  Hinzu kommt: Wer Immobilien aktiv managt, muss ständig die Interessen verschiedener Beteiligten im Blick haben und die beste Lösung für alle finden. Investoren, Betreiber und Mieter, Anwohner aber auch wir als PATRIZIA haben alle eine eigene Perspektive auf die jeweilige Perspektive und zunächst unterschiedliche Interessen. Wenn man diese unterschiedlichen Perspektiven im Blick behält und austariert, ergibt sich fast zwangsläufig die Herausforderung, langfristig und nachhaltig zu denken.

PATRIZIA baut seine Nachhaltigkeitsbestrebungen deutlich aus und versteht sich hier als Vorreiter. Welche Verantwortung hat die Immobilienwirtschaft gegenüber der Gesellschaft?

Unsere Verantwortung ist enorm hoch. Wie sehen die Quartiere und Stadtviertel aus, in die wir investieren? Welche Formen des Zusammenlebens ermöglichen unsere Immobilien? Wie ist der Zugang zu Bildung, Wissen, Kultur, Einkaufen, Essen und Erholung? Das alles prägt mehrere Generationen, die in unseren Städten und Gemeinden zusammenleben. Von da her ist der Nachhaltigkeitsanspruch und die Generationenverantwortung zwingend. Wir müssen uns deshalb auch aktiv mit Innovation und Technologie auseinandersetzen, die Nachhaltigkeit ermöglichen, von der Verwendung nachhaltiger Baumaterialien über moderne Bauformen, aber auch Energieeinsparung, Mobilität, Connectivity – einfach alles was urbanes Leben in Smart Cities ermöglicht. 

Wo gibt es den größten Nachholbedarf, und welche Aufgabenstellungen ergeben sich daraus generell für unsere Gesellschaft?

Bau- und Immobilienwirtschaft sind für 40 % der CO2 Emissionen weltweit verantwortlich. Das zeigt schon, wie groß der Einfluss der Immobilienwirtschaft auf Klima und Ressourcenverbrauch ist. PATRIZIA baut den Anteil ESG zertifizierter Fonds kontinuierlich aus. Ein weiteres wichtiges Thema ist, wie Investment Manager auf sich verändernden Lebensgewohnheiten und den ungebrochenen Urbanisierungstrend reagieren. PATRIZIA hat dazu vor 2 Jahren einen Living Cities Fonds aufgelegt. Immer mehr Menschen leben in Städten auf engem Raum zusammen – wie gestaltet man also lebenswerte Städte? Hier stehen wir erst am Anfang. Eines ist sicher, wir müssen das Zusammenleben in Städten in Zukunft noch viel nachhaltiger gestalten als wir es bisher getan haben. 

Corona hat uns insgesamt gesellschaftlich sehr gefordert. In Bezug auf Zugang zu Bildung: Was hat Corona in dieser Hinsicht verändert?

Corona wird zunächst als globale Gesundheitskrise wahrgenommen. Darüber hinaus ist bei uns in den entwickelten Industrieländern das Thema Bildung zentral. Wenn Kinder länger nicht in die Schule gehen können, nehmen die sozialen Gegensätze auch bei uns zu. Wenn man die Auswirkungen von Corona auf Bildung aber weltweit betrachtet, ist die Dimension eine völlig andere. Bei uns verlieren Kinder vielleicht ein maximal zwei Jahre durch Corona, aber Kinder in der Dritten Welt verlieren ihre Chance auf ein besseres Leben durch den dauerhaften Verlust des Zuganges zu Bildung. Wenn man aus Armut herauskommen will, geht das nur durch Bildung. Corona verschärft die Bildungskrise in Entwicklungsländern viel dramatischer als bei uns. Und wir machen uns das noch gar nicht richtig

… the Foundation delivers the S in ESG

Gratulation! Sie sind kürzlich in den Stiftungsvorstand der PATRIZIA Foundation berufen worden. Gerade durch Corona werden die Herausforderungen auch hier nicht kleiner. Mit welchen Themen sind Sie da konfrontiert?

Ich betreue die Stiftung schon länger und teilweise Pro Bono. Ich finde die Stiftungshistorie und -arbeit absolut faszinierend. Es ist beeindruckend, dass Wolfgang Egger sein Unternehmen von Anfang an mit dem Anspruch aufgebaut hat, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Damals war PATRIZIA kaum bekannt. Das zeichnet den CEO, aber auch die PATRIZIA aus. Das Unternehmen spendet in guten wie in schlechten Zeiten 1 % des operativen Unternehmensgewinnes an die Stiftung, damit die Stiftung alle Kraft in die Projektarbeit für die Schaffung von Bildungschancen setzen kann. 

Ich habe mich deshalb sehr darüber gefreut, in den Vorstand berufen worden zu sein, um mitzuhelfen. Das mache ich mit sehr viel Leidenschaft und natürlich mit meiner Erfahrung als Kommunikationsexperte. Die Stiftung braucht mehr Visibilität. Sie muss sich weiter professionalisieren, internationaler denken, denn sie hat einen globalen Auftrag. Die Stiftung ist also auf gute überzeugende Kommunikation angewiesen, vor allem um mehr Sponsoren zu gewinnen. Ich denke, hier kann ich mit meiner Erfahrung unterstützen. 

Die Foundation hat sich das Thema Schaffung von Bildungsinfrastruktur zur Aufgabe gemacht, welche Bedeutung hat Bildung für Sie persönlich?

Ich bin an vielen verschiedenen Orten groß geworden. Das lag am Beruf meines Vaters, der Starfighter Pilot in der Bundeswehr war. Wir sind alle 2-3 Jahre umgezogen, von Ostfriesland nach NRW, nach Bayern und wieder zurück. Ich habe Bildungssysteme in verschiedenen Bundesländern kennengelernt und bin mit den kulturellen Unterschieden sehr früh konfrontiert worden. Und ich habe es immer als Privileg empfunden, dass wir in Deutschland eine so gute Bildungsinfrastruktur haben. Bildung hat mein Leben enorm bereichert, sie hat meine Neugier geweckt, ich konnte im Ausland studieren. Ich habe einen amerikanischen Studienabschluss, habe im Laufe meiner Karriere in den USA gearbeitet, viel internationale Erfahrung gesammelt. Das zeigt, wie wichtig Bildung ist. Und deshalb sehe ich mich auch in der Verantwortung zu helfen, damit Menschen eine Chance auf Bildung bekommen.

Corona hat die digitale Kommunikation noch stärker forciert. In diesem Zusammenhang hört man in der Foundation immer öfter den Begriff Digital Classroom, und bei der PATRIZIA AG New Work. Gibt es hier Zusammenhänge, eventuell Synergien?

Das ist eine gute Frage, aber vielleicht noch mal kurz zum Unterschied. Das digitale Klassenzimmer ist keine neue Erfindung, aber es erhält im Zusammenhang mit Corona eine andere Bedeutung. Nicht nur bei uns in den Industrieländern, sondern auch in den Entwicklungsländern, in denen die PATRIZIA Foundation mit ihren Projekten vor Ort ist. Was macht man denn, wenn der physische Unterricht auf Monate oder Jahre nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich ist? Hier geht es um viele Dinge: Hardware, d.h. ich muss Schulen mit Computern ausstatten, Internet / Connectivity. Wie muss ich Lehrpläne anpassen, virtuelle Lernformate entwickeln, Lehrpersonal schulen, usw. Das ist eine riesige Herausforderung, der sich die Stiftung gemeinsam mit ihren Partnern stellt, aber ich halte ich für eine ganz wichtige Aufgabe.

 

New Work ist eine wichtige Initiative der PATRIZIA, unsere Arbeitswelt neu zu denken. Digitalisierung spielt dabei eine zentrale Rolle. Es gibt viele Grenzen, die sich auflösen. Die Trennung zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmt heute immer mehr. Corona ist hier ein wichtiger Trendbeschleuniger. Heute sind die Übergänge fließend von Büro und Wohnzimmer, geschäftlichen und privaten sozialen Kontakten. Die Konzepte, die wir dafür entwickeln, sind sehr spannend, weil wir sie auch für neue Entwicklungen in unseren Asset Klassen Office und Residential nutzen können.

Wir haben die PATRIZIA Büros in Frankfurt und Luxemburg nach NewWork-Konzepten völlig neugestaltet. Es geht bei der Gestaltung unserer künftigen Arbeitsplätze um mehr Freiräume für Kreativität und Zusammenarbeit, aber auch um mehr Spaß, Motivation und Erfüllung bei der Arbeit. Und es geht um mehr Freiheitsgrade und Flexibilität für eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben. Wir wollen zu den attraktivsten Arbeitgebern in unserer Branche gehören. NewWork ist dafür ein sehr wichtiger Hebel.

Der partnerschaftliche Mindset ist auch in der Foundation sehr stark verankert. Für wen kann die Stiftung ein Partner sein, der anderen Partnern hilft, ihr Potenzial auszuschöpfen, jetzt mal abgesehen von der PATRIZIA?

Also ich glaube, die Stiftung hat ein riesiges Potential – warum? Wir wissen, wie man nachhaltig Gebäude baut, wie man Quartiere entwickelt, welche Infrastruktur Gemeinschaften brauchen, um nachhaltig ihre Zukunft zu gestalten. Diese Erfahrung kann für viele Partner der Stiftung sehr nützlich sein. Deshalb kann die Stiftung in ihrem Wirkungsgrad auch deutlich größer sein als die PATRIZIA AG. Für welchen Partner wäre die Stiftung spannend? Ich glaube für jedes Unternehmen und jede Organisation, die wie wir das Ziel haben, nachhaltig Bildungschancen für bedürftige Kinder und Jugendliche zu fördern. Bis jemand diese Erfahrung selbst aufgebaut hat, dauert es sehr lange. Wir sind als kleinere Stiftungsorganisation flexibler und schneller als große internationale Stiftungen. Wir können potenziellen Partnern und Sponsoren sehr gezielt und konkret Wirkung und Visibilität bieten. Unsere Partner kennen unsere Projekte, können sich aktiv einbringen und wissen genau, wo ihre Spende Bildungschancen ermöglicht. Ich glaube, dieses Angebot ist für viele sehr spannend. 

Die Stiftung engagiert sich mit ihren Unterstützern und Partnern weltweit. Hat das in erster Linie damit zu tun, dass man mit 1€ in Ruanda mehr bewegen kann als in München?

Ich würde das nicht als Gegensatz sehen, das ist zu kurz gedacht. Die Stiftung kann beides, aber der Schwerpunkt sollte auf Ruanda, d.h. Schaffung von Bildungsinfrastruktur in Entwicklungsländern liegen. Das heißt nicht, dass die Stiftung benachteiligten Menschen in Deutschland nicht helfen sollte. Das macht die Stiftung auch schon länger, z.B. mit der Unterstützung des Bunten Kreises und anderen Organisationen. 

Aber in Ruanda kann ich zum Beispiel mit 70.000 € einen erheblichen Beitrag für den Bau eines Schulgebäudes leisten – das ist übrigens unser Ziel für die, von unserem Vorstandsmitglied für HR Simon Woolf in London mit ins Leben gerufene Peak Challenge, die wir im Sommer machen. Oder man kann mit dem Geld ein digitales Klassenzimmer-Projekt in Tansania verwirklichen. Der Bildungshebel für einen Euro sollten wir dort ansetzen, wo er die größte Wirkung entfalten kann. Deshalb ist der Fokus der Stiftung auf den Bau von Schulen und die Unterstützung von Bildungschancen in Entwicklungsländern richtig. 

Der „Remote Run for Rwanda“ hat gezeigt, welche Energie Volunteering-Initiativen von PATRIZIA Mitarbeitern entfalten können. Welche Möglichkeiten sehen Sie, diese Energie noch im Sinne der Entwicklung der Foundation zu steigern?

Der Remote Run hat viel Unterstützung mobilisiert. Da gibt es offensichtlich durch die Kombination von Volunteering und digitaler Vernetzung noch enorme Möglichkeiten.

Unser Ziel ist, dass sich noch mehr PATRIZIAner vernetzen und mitmachen. Aber Volunteering und aktive Unterstützung müssen freiwillig sein, aus persönlicher Überzeugung. Nur so gewinnen wir wirkliche Botschafter für die Stiftung. Und natürlich entsteht so ein Schneeballeffekt, um die Visibilität der Stiftung zu steigern.  

Remote Run for Rwanda Collage

Durch die Unterstützung der PATRIZIA AG hat die Foundation schon viele weltweite Projekte realisiert, die Kindern Zugang zu Bildung verschafft haben. Welche Potentiale eröffnet die derzeitige Professionalisierung der Foundation? Was empfehlen Sie der Foundation als Kommunikationsexperte, wie man diese Potentiale noch erfolgreicher nutzen kann?

Die Professionalisierung der Stiftungsarbeit ist wichtig, um den Bekanntheitsgrad der Stiftung außerhalb der PATRIZIA Welt zu steigern. Ich fände es genial, wenn man irgendwann sagen könnte, man hat eine eigene Marke oder „Brand“ aufgebaut, und sich ein stückweit unabhängig und selbständig vom Unternehmen entwickelt. Das ist sicher die große Herausforderung. Es ist eine Kommunikationsaufgabe, eine Brandingaufgabe, eine Netzwerkaufgabe. Das Unternehmen bleibt ein verlässlicher Rückhalt, und das sollte die Stiftung ermutigen, weiter in die Welt hinauszugehen, und mehr Partner zu gewinnen, die mit dem Unternehmen gar nichts zu tun haben – und so schneller zu wachsen.

Die Stiftung muss sich als Experte für Bildungsinfrastruktur noch viel offensiver verkaufen. Wir können unsere über 20jährige Projekterfahrung und die damit verbundene Expertise gezielt nutzen, um mehr Partner zu gewinnen, die mit uns zusammen weltweit benachteiligten Kindern Zugang zu Bildung ermöglichen wollen. Die Nachhaltigkeit, mit der wir das seit über 20 Jahren an über 20 Standorten weltweit umsetzen, hat vor Ort wesentlich zur Entwicklung von Gemeinschaften beigetragen. Diese Expertise und unseren Track-Record müssen wir noch viel stärker nutzen.

Christoph Lietdke

 

  • Geboren 1963 in Düren/NRW
  • Studium der Politikwissenschaften in Bonn und Knoxville (USA)
  • Langjährige Erfahrung als Kommunikationsexperte bei SAP, Infineon Technologies, Qimonda und als Berater für Gauly Advisors
  • Hat PATRIZIA bereits vor seinem Wechsel ins Unternehmen als Kommunikationsberater unterstützt