„Gleich neben der Ausbildungsstätte ein
Dach über dem Kopf
und keine quälend
weiten Schulwege – das haben wir hier geschaffen.”


Till Gröner, Pate des PATRIZIA Vocational Training Center Ntarama

PATRIZIA Vocational Training Center Ntarama, Ruanda

Am „Nelson Mandela Education Center for Apprentices (NMEC)“ hat die PATRIZIA Children Foundation 2008 in Zusammenarbeit mit Grünhelme e.V. ein Wohnheim für Jugendliche und junge Erwachsene errichtet. 

Das neue Wohnheim ist direkt an die Berufsschule in Ntarama, südlich von Ruandas Hauptstadt Kigali, angegliedert. Die feierliche Eröffnung des Ausbildungszentrums erfolgte durch Präsident Paul Kagame. Das zeigt den hohen Stellenwert der Einrichtung für das ostafrikanische Binnenland.

Ein Großteil der jungen Menschen, die sich in der Ausbildung zum Elektriker, Metallarbeiter, Schneider, Maurer oder Friseur befinden, haben ein Dach über dem Kopf. 2019 wohnten dort 150 von insgesamt 168 Schülern. Somit kann die PATRIZIA Children Foundation einen wichtigen Beitrag für den Schulbetrieb in Ruanda leisten. Nicht zuletzt sind lange Schulwege in Afrika ein Problem und können der Grund sein, weshalb Jugendliche keine Ausbildung machen.

Erfolgreiche Übergabe des Ausbildungszentrums an einheimische Leitung

Nach erfolgreichen Jahren unter der Leitung des Grünhelme e.V. konnte der Ausbildungs- und Wohnheimbetrieb 2012 an eine einheimische Leitung übergeben werden. Das Konzept des Ausbildungszentrums geht auf: Viele Lehrer waren selbst Schüler im PATRIZIA Vocational Training Center und geben heute das erworbene Wissen an die Schüler der nächsten Generation weiter.

Lesen Sie auch Pierres Glücksgeschichte , schauen Sie sich das Video an und den Reisebericht von Jowita Fuchshofer.

Die aktuelle Pandemie hat Auswirkungen auf unsere Einrichtungen weltweit. Als Sofortmaßnahme haben wir den CORONA FUND EDUCATION HEALTHCARE in Höhe von 100.000 Euro aus unseren Rücklagen eingerichtet. Diesen Betrag nutzen wir zu 100 Prozent als Soforthilfe in unseren Children Centern. Da es aber weltweit in allen Einrichtungen an Hilfe mangelt und der Bedarf durch die Corona-Maßnahmen stetig wächst, bieten wir auch Ihnen die Möglichkeit, uns dabei zu unterstützen, den Zugang zu Bildung weiter zu gewähren. Erfahren Sie mehr!

Unsere Projekt-Partner:

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Pierres Glücksgeschichte

Viele Chefs hat Pierre schon gehabt, nach seiner Ausbildung als Ingenieur. In mehreren Baufirmen hat er Erfahrung gesammelt, bevor er sich selbstständig gemacht hat. Nun baut er mit seinem eigenen Unternehmen Wohnhäuser für seine Landsleute – und verdient sogar gut. „Ohne die Möglichkeit, neben der Schule im PATRIZIA Vocational Training Center zu wohnen, wäre das alles nicht möglich gewesen“, erzählt er.

„Ohne die PATRIZIA Children Foundation hätte ich es nicht geschafft.“

Bis zu seinem erfolgreichen Abschluss als Bauingenieur war Pierre Schüler im Nelson-Mandela-Ausbildungszentrum. „Zum Glück habe ich einen Platz im Wohnheim der PATRIZIA Children Foundation bekommen“, sagt er und strahlt.

„Ansonsten weiß ich nicht, was aus mir geworden wäre, denn der Weg zur Schule war einfach zu weit.“ Nun hat Pierre erreicht, was er nicht für möglich gehalten hat: Er hat eine Familie, lebt in einem eigenen Haus und kann seine Kinder zur Schule schicken. „Und ich zahle sogar Steuern“, fügt er hinzu. „Das macht mich stolz, weil es gut ist für unser Land.“ Und weil er weiß, wie wichtig Bildung ist, unterstützt der Unternehmer jetzt selbst Kinder, damit sie zur Schule gehen können und eine Zukunft haben.

Mit seiner Baufirma baut Pierre keine Villen für Reiche, sondern einfache, aber schöne Häuser für ganz normale Familien. Besonders glücklich macht es ihn, dass er dabei auch die heimische Wirtschaft unterstützt und einen wichtigen Beitrag zum weiteren wirtschaftlichen Aufschwung seines Landes leistet.

Jowita Fuchshofer über ihre Stiftungsreise nach Ruanda

„Eine Schule ist nie nur eine Schule, sondern so viel mehr“

2008 haben wir mit dem PATRIZIA Vocational Training Center Ntarama in Ruanda ein Wohnheim für Schüler errichtet. Es ist direkt angegliedert an das Nelson Mandela Educational Center, wo Jugendliche und junge Erwachsene eine dreijährige Berufsausbildung machen können. Nach unserem letzten Besuch 2016 war es Zeit für die PATRIZIA Children Foundation, sich wieder persönlich mit den Ansprechpartnern zu treffen, um die Zusammenarbeit zu vertiefen. Senior Manager Donor Relations der PATRIZIA Children Foundation, Jowita Fuchshofer, übernahm diese wichtige Aufgabe und schildert hier ihre Eindrücke.

Die Berufsschule im ruandischen Ntarama (gesprochen: Naarama) ist sehr schön, das ist mein erster Eindruck vor Ort. Bereits vor meiner Reise stand ich mit dem Schulleiter Théophile Rutabana in Kontakt. Er gibt meinen Begleitern und mir gleich nach unserer Ankunft in Ntarama eine Führung durch die Schule. Mit dabei ist auch sein Kollege Félix Mubumbyi, Director of Trainings and Studies.

Das Gelände, auf dem sich die sieben Unterrichtsgebäude sowie zwei Wohnheime und zwei Werkstätten der Schule befinden, ist größer als ich erwartet hatte, gepflegt und grün. 168 Schüler machen hier aktuell eine Ausbildung zum Maurer, Elektriker, Metallbauer, Friseur oder Schneider – davon 150 Internatsschüler. Diese sogenannten „Boarders“ wohnen in Schlafsälen, von denen die Stiftung einen errichtet hat.

Voraussetzung für den Besuch der weiterführenden Schule ist der Besuch einer Primary School und eine anschließende dreijährige Ausbildung und Abschlussprüfung in einer Lower Secondary School. Im Anschluss sind Schüler für das PATRIZIA Vocational Training Center in Ntarama qualifiziert. Die Schule besteht aus einer Tagesschule und bietet zudem Kurzlehrgänge über zwei Semester. Sie endet mit einem Staatsexamen, das zum weiteren Studium an einer Universität berechtigt.

Starker Praxisbezug während der Ausbildung

Das PATRIZIA Vocational Training Center Ntarama ist eine staatliche Schule und bekommt ihre Schüler zentral zugeteilt. 74 Dollar kostet die Schulgebühr pro Jahr. Mit dem Schulgeld muss die Schule gut wirtschaften, da sie vom Bezirk kaum Unterstützung erhält. Bei den Schülern ist sie wegen ihres besonderen Profils – der engen Verzahnung zwischen Schule und Wirtschaft und ihrem Fokus auf die praktische Ausbildung – sehr beliebt. Sie erlernen hier Berufe mit exzellenten Zukunftsaussichten und machen schon während ihrer dreijährigen Ausbildungszeit jedes Jahr einen Monat Praktikum. Hier können sie ihre Kenntnisse bereits in der Praxis anwenden und weitergeben. Nach ihrem Abschluss bestehen gute Chancen, dass die Absolventen selbst aktiv werden und sich als Metallbauer, Schneider oder Frisör selbstständig machen.

Lage und erster Eindruck

Ntarama ist ungefähr eine einstündige Autofahrt vom internationalen Flughafen in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, entfernt. Kigali wirkt aufgeräumt und repräsentativ, stellenweise europäisch auf mich. Die Jugendlichen in der Berufsschule strahlen in ihren sauberen weißen Hemden. Mir fällt auf, wie stolz sie sind, auf die Schule gehen zu dürfen. Auch Schulleiter Rutabana ist von Stolz erfüllt, als er uns über das weitläufige Schulgelände führt. Da es während unserer Zeit vor Ort viel regnet, müssen wir spontan sein, wenn es um Foto- und Filmaufnahmen draußen geht.

Stand und Bedürfnisse der Schule

Schulgelände und Internat sind in einem guten Zustand und in Gesprächen mit dem Schulleiter und seinen Kollegen zeigt sich schnell, welche Bedürfnisse die Schule aktuell hat. Werkzeuge und Baumaterialien wie Zement und Ziegelsteine sind sehr teuer in Ruanda, gleichzeitig werden sie aber zum praktischen Arbeiten benötigt. Mit neuen Materialien könnten die Auszubildenden selbst ihre Schul- und Werkräume durch einen Anbau noch erweitern.

Wie vielerorts in Ruanda verfügen die meisten Schüler über Mobiltelefone. Das Thema Handy ist für uns ein guter Gesprächseinstieg, da die Jugendlichen sehr interessiert sind, mit welcher Technik wir ausgestattet sind. Einige von ihnen führen uns anschließend durch ihre Werkräume, in denen sie ausgebildet werden. Da während unseres Aufenthalts Prüfungszeit ist, haben sie selbst nur begrenzt Zeit für uns. Schulleiter Rutabana und unser Guide Peter übernehmen.

Ehemaliger Schüler ist jetzt in der Baubranche

Peter hat selbst am PATRIZIA Vocational Training Center Ntarama in einem der ersten Jahrgänge seinen Abschluss gemacht. Um uns kümmert er sich in seiner Freizeit – sonst arbeitet er auf dem Bau für einen ehemaligen Schulkameraden. In einem Alumni-Netzwerk halten die Schüler Kontakt und verschaffen sich regelmäßig gegenseitig Arbeit. Eine große Bereicherung für die Community! Neben ihm trafen wir noch zwei weitere Alumni: Pierre, einen erfolgreichen Geschäftsmann, und Brigitte, die nun als Lehrerin an unserem Center arbeitet.

Wenn Peter etwas nicht weiß, bringt er es für uns in Erfahrung. Er ist sehr zuvorkommend und unterstützt uns, wo er nur kann. Eines Mittags führt er uns in ein Restaurant, in dem nur Locals essen. Für einen Dollar bekommen wir hier einen riesigen Berg an lokalen Köstlichkeiten und sind begeistert.

Peter ist ein Überlebender des Völkermords an den Tutsi 1994. Die Erinnerung an die Kämpfe zwischen den Volksgruppen Hutu und Tutsi ist im Land noch sehr präsent, das spürt man überall im Land. Die Regierung ist bemüht und arbeitet an der Aufarbeitung und Versöhnung. So hat sie unter anderem ein Projekt gestartet und ein Dorf gegründet, in dem Hutu und Tutsi erfolgreich zusammenleben.

Ruanda leistet mit „Umuganda“ einen sozialen Beitrag – staatlich verordnet

In Ruanda wird das soziale Miteinander großgeschrieben. Jeden letzten Samstag im Monat findet ein Social Day statt, genannt Umuganda. An dem staatlich verordneten Tag nehmen alle Bürger, Vereine, Kirchengemeinden und weitere soziale Gruppen teil. Von acht bis zwölf Uhr leisten sie einen Beitrag zum gemeinsamen Wohl, seien es Baumaßnahmen oder auch einfach gemeinsames Straßenfegen. Die Bürger treffen sich auf den Straßen, singen, führen lokale Tänze auf und starten gemeinsam in den Tag. Diesen Tag hat die Regierung nach dem Genozid 1994 ins Leben gerufen, um die Gesellschaft wieder zusammenzuführen und das soziale Miteinander zu stärken.

Der soziale Aspekt wird auch am PATRIZIA Vocational Training Center sichtbar. Die Auszubildenden sind nicht einfach nur Schulkameraden, sondern Freunde, die gerne Zeit miteinander verbringen, sich aushelfen und sich später – wie bei Peter – nach Möglichkeit gegenseitig mit einer bezahlten Arbeit versorgen.

So ist die Schule nicht nur eine Schule, sondern so viel mehr als das. Darauf arbeiten wir als Stiftung hin. Zugang zu Bildung, gemeinschaftliches Lernen und der Aufbau eines sozialen Netzwerkes sind elementar für den weiteren Lebensweg der Jugendlichen in Ntarama – wie überall auf ganzen Welt.