„Die Motivation der Kinder, in den renovierten Klassenzimmern zu lernen, kennt keine Grenzen.”

Till Gröner, Pate der PATRIZIA School Buyamba

PATRIZIA School Buyamba, Uganda

Das vollkommen unzulängliche Schul-Provisorium der St. Francis Grundschule im ärmlichen Buyamba war mehr als renovierungsbedürftig, als die PATRIZIA Children Foundation gemeinsam mit Grünhelme e.V. das Projekt anpackte: Über mehrere Jahre wurde Altes saniert und Neues errichtet. 

St. Francis ist eine Grundschule für Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren, in den Jahrgangsstufen 1 bis 7. Buyamba liegt zwischen Lake Kijanebalola und dem Victoriasee. Uganda ist eines der fünf Länder rund um den Victoriasee und eines der ärmsten Länder der Welt. Als erste Maßnahme hat die PATRIZIA Children Foundation 2009 die Erneuerung der Dächer finanziert. Außerdem errichtete sie ein Lehrerwohnheim, einen Sanitärbereich sowie eine Mensa mit Schulküche, damit ein geregelter Schulbetrieb möglich wurde. Heute ist der Ausbildungsstandard einer der besten in der sehr armen Region.

Fortwährendes Engagement

Nach Abschluss dieser Maßnahmen im Jahr 2010 genehmigte der Stiftungsvorstand außerdem noch zwei weitere Projekte der PATRIZIA School Buyamba: 2014 erhielt die Schule neue Toilettenhäuschen und 2015 wurden neue Wassertanks angeschafft und installiert.

Schauen Sie sich das Video an. Lesen Sie auch Vincents Glücksgeschichte, die Glücksgeschichte von Rachel und den Reisebericht von Jowita Fuchshofer.

Die aktuelle Pandemie hat Auswirkungen auf unsere Einrichtungen weltweit. Als Sofortmaßnahme haben wir den CORONA FUND EDUCATION HEALTHCARE in Höhe von 100.000 Euro aus unseren Rücklagen eingerichtet. Diesen Betrag nutzen wir zu 100 Prozent als Soforthilfe in unseren Children Centern. Da es aber weltweit in allen Einrichtungen an Hilfe mangelt und der Bedarf durch die Corona-Maßnahmen stetig wächst, bieten wir auch Ihnen die Möglichkeit, uns dabei zu unterstützen, den Zugang zu Bildung weiter zu gewähren. Erfahren Sie mehr!
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Vincents* Glücksgeschichte

 

Vincents großes Vorbild ist seine Schwester. Die 19-Jährige studiert Medizin. So wie sie möchte der 13-Jährige später einmal Arzt werden und Kranke heilen. Am liebsten möchte er dafür sorgen, dass sich in seinem Land nicht mehr so viele Menschen mit vermeidbaren Krankheiten infizieren. „Wenn ich also später als Arzt einem Menschen helfe, kann es sein, dass ich eine ganze Familie rette.“ 

Vincent wächst bei seinen Großeltern auf. Weil sie von der PATRIZIA School Buyamba weit weg wohnen, wohnt er hier im Internat. Wenn er die Grundschule abschließt, hofft er, auf eine weiterführende Schule wechseln und danach studieren zu dürfen. Denn Vincent weiß schon heute, dass er es mit seinem Fleiß und Engagement selbst in der Hand hat, sich seinen Berufswunsch zu erfüllen. 

*Name geändert

Rachels Glücksgeschichte

 

Rachel besucht die siebte Klasse der PATRIZIA Primary School in Buyamba. Dass die 14-Jährige in die Schule gehen kann, ist keine Selbstverständlichkeit, denn ihre Eltern starben, als sie noch sehr klein war. Seitdem lebt sie mit ihren drei Schwestern bei ihrem Onkel, der sich um die Mädchen kümmert und ihnen auch den Besuch der Schule ermöglicht. Ein Glück für Rachel ist sicher auch, dass es in ihrer Gemeinde überhaupt eine bezahlbare Schule gibt, die sie gut zu Fuß erreichen kann. Fünf Kilometer ist die PATRIZIA Primary School von Rachels Zuhause entfernt. Sie freut sich, dass es so nah ist. Sie bekommt dort nicht nur den Zugang zu Bildung, sondern auch täglich zwei Mahlzeiten. Und sie ist in das soziale Netz der Schulgemeinschaft eingebunden und muss nicht – wie andere Mädchen in ihrem Alter – auf dem Markt oder im Haushalt arbeiten.

„Wir haben Rachel als sehr dankbares und hilfsbereites Mädchen kennengelernt, dem es durchaus bewusst ist, was für ein großes Glück die Schule für sie bedeutet. Sie ist jetzt in der letzten Klasse der Grundschule. Ihr Traum ist es, eine weiterführende Schule zu besuchen. Wir hoffen, dass ihr Traum in Erfüllung geht“, erzählt Jowita Fuchshofer.

Jowita Fuchshofer besucht die PATRIZIA School Buyamba in Uganda

Arm und doch so reich

Seit 2009 ist die PATRIZIA Children Foundation in Uganda aktiv und setzt sich in einem der ärmsten Länder der Welt dafür ein, dass Kinder Zugang zu Bildung haben. 2009, 2010 und 2014 haben wir notwendige großflächige Renovierungsarbeiten an der PATRIZIA School Buyamba ermöglicht. Höchste Zeit für einen Vor-Ort-Besuch der Grundschule im Süden Ugandas. Dort tauschen wir uns mit den Verantwortlichen vor Ort persönlich aus, loten weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus und verbringen Zeit mit den Kindern. Senior Manager Donor Relations Jowita Fuchshofer berichtet hier von ihrer Stiftungsreise.

Schon seit Monaten stand die Stiftung in engem Kontakt mit einem unserer Ansprechpartner vor Ort, Father Charles Mbazzi (rechts), der meine zwei Begleiter und mich am Flughafen Entebbe abholte. Father Charles ist im Gremium des Schulkomitees. Die PATRIZIA School Buyamba steht auf einem Gelände der Kirche unweit seines Pfarrheims. Sie wird staatlich gefördert und von der Kirche betrieben.

Auf der fünfstündigen Autofahrt nach Buyamba schlug uns Pater Charles einen Stopp bei seinem Vorgesetzten, dem Bischof der Diözese Masaka, vor. Obwohl wir nach dem langen Flug müde waren, stimmten wir zu. Bei dem Treffen mit dem Bischof lernten wir den freundlichen und offenen Pater im Umgang mit seinem Vorgesetzten sehr ergeben und demütig kennen, Augenkontakt und Händeschütteln war nur nach Aufforderung erlaubt. Nach dem offiziellen Gespräch durften wir uns ins Gästebuch des Bischofs eintragen.

 

Typisch Uganda: grüne Felder und junge Bevölkerung

Auf allen Wegen fiel uns auf, wie grün Uganda ist! Buyamba selbst ist ein kleines Dorf mit zwei Zentren. Einmal gibt es den Marktplatz mit verschiedenen Ständen, an denen Waren aus der Region angeboten werden. Das zweite Herzstück Buyambas bildet die Schule. Ugandische Familien sind in der Regel sehr kinderreich und wie im Rest des Landes ist die Bevölkerung auch in dieser Region sehr jung – 73 Prozent der Menschen sind unter 30. Hotels oder Touristen sehen wir in der Gegend keine, wir selbst sind im Pfarrheim untergebracht.

Am nächsten Vormittag besuchen wir die PATRIZIA School Buyamba. Schon von Weitem hören wir die Schulchöre, „Welcome, welcome, you are very welcome“ singen und sehen die Schüler für uns Spalier stehen. Unglaublich herzlich heißen sie uns willkommen, tanzen für uns und klatschen. Als Repräsentantin der Stiftung werde ich auf die Bühne gebeten, begrüße alle und drücke unsere Dankbarkeit für den Empfang aus. Der anschließende Austausch mit der Schuldirektorin Sylvia Nalusuuna verläuft zielgerichtet und sehr informativ für die Stiftung. Uns ist es sehr wichtig, dass wir unseren Partnern auf Augenhöhe begegnen und uns über gegenseitige Bedürfnisse und Wünsche offen austauschen können – wie in diesem Fall.

PATRIZIA School Buyamba: Sammelschule für die gesamte Region

Zu unserer großen Freude ist die Schule in einem guten Zustand und der Unterricht findet nach Plan statt. Wir erfuhren aber, dass die Schule für Fünf- bis 14-Jährige mit aktuell 882 Schülern sehr voll ist. Den Kindern ist die Schule so wichtig, dass sie bis zu zehn Kilometer täglich laufen, um hier zu lernen. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht. Deshalb übernachten in zwei Schlafsälen die sogenannten „Boarders“, die Internatsschüler. Sie erhalten zusätzlichen Unterricht, der teilweise bis 21 Uhr geht.

Schulgebühren sind oft ein Hindernis

Die Schulgebühr beträgt pro Trimester 20.000 ugandische Schilling, umgerechnet rund 4,50 US-Dollar. Ein Schuljahr besteht aus drei Trimestern mit kleinen oder großen Ferien dazwischen. Bei einem jährlichen nominellen Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt von 747 US-Dollar ist die jährliche Gebühr von 13,50 Dollar für einige Eltern finanziell bereits schwer zu stemmen. Auch in Buyamba ist kaum ein Einwohner angestellt, die meisten leben hier von Gartenanbau oder Handarbeit.

Aktuell schlafen rund 100 Boarders in den Schlafsälen, die für 80 Kinder angedacht waren. Die Schule beherbergt zudem in einem abgetrennten Bereich des Speisesaals eine improvisierte Vorschule für Kinder ab vier Jahren. Da der komplette Grundschul-Unterricht auf Englisch stattfindet, ist das vorbereitende Jahr für den Erwerb von Sprachkenntnissen sehr wichtig. Ein eigenes Gebäude für die Vorschulkinder könnte den akuten Platzmangel beheben. Außerdem sieht die Direktorin Bedarf an einer Mauer um das Schulgebäude, um den Schutz der Kinder zu gewährleisten. Sie soll vor allem verhindern, dass wilde Tiere eindringen, aber auch vor Diebstahl schützen.

Trotz armen Verhältnissen nicht unglücklich

In unserer Zeit vor Ort sehen wir, dass Armut überall greifbar ist: Viele Kinder haben keine Schuhe, ihre Schuluniformen sind kaputt oder passen nicht richtig. Trinkwasser ist – wie in vielen Gegenden Afrikas – ein Problem. Brunnen gibt es keine. Umso wichtiger sind die zwei Regenauffang-Behälter, die wir gespendet haben. In Verbindung mit einem dritten liefern sie der Schule das gesamte Wasser zum Trinken, für die Körperpflege und zum Wäschewaschen – für alle Schüler und das Pfarrheim.

Absehen von dem Kugelschreiber, den jedes Kind hat, ist Privatbesitz nicht vorhanden. Doch das scheint ihnen auch nicht wichtig zu sein. Vielmehr merken wir, welch großen Wert sie auf die Gemeinschaft legen. Sie helfen sich gegenseitig und teilen großzügig miteinander. Sie wirken glücklich, sind uns gegenüber immer sehr offen und interessiert.

Jowit zu Besuch im Unterricht

Wir können in verschiedenen Klassen den Unterricht mitverfolgen und teilen uns mit den Schülern den Brei, den sie in der ersten Pause bekommen. Er ist sehr nahrhaft und für viele Kinder die erste Mahlzeit des Tages, wenn sie daheim kein Frühstück bekommen. In den Unterrichtspausen heißt es spielen, spielen, spielen – ob mit den neuen Bällen der Stiftung oder mit selbstentworfenen Spielsachen. Zudem erzähle ich mithilfe unseres Maskottchens Hope Geschichten aus Deutschland und bringe ihnen ein paar deutsche Wörter bei. Von überall her heißt es: „Jowit!“. So nennen mich die Kleinen, wollen mich als Spielgefährtin um sich haben und überreichen mir immer wieder schüchtern persönliche Briefe.

Fazit: Längerfristige Hilfe zahlt sich aus

Mein erster Impuls war, Bonbons zu verteilen, um alle gleichzeitig zum Strahlen zu bringen. Doch wenn man einen Schritt zurücktritt, ist langfristige Hilfe wichtiger. Wie wir auch in Gesprächen mit den Verantwortlichen vor Ort herausgehört haben, gehen wir auf einem soliden gemeinsamen Pfad. Die PATRIZIA School Buyamba bietet viele Möglichkeiten, die Zusammenarbeit noch zu vertiefen. Als Stiftung setzen wir nach wie vor unseren Fokus darauf, dass es den Schülern in puncto Infrastruktur an nichts fehlt und sie sich komplett auf ihre schulische Ausbildung konzentrieren können.