EduCare Europe Fund

Die PATRIZIA Foundation hat den EduCare Europe Fund ins Leben gerufen. Damit hat die PATRIZIA Foundation in kürzester Zeit gezielt auf die akute Situation reagiert, die sich für so viele Menschen durch den Krieg in der Ukraine ergibt – Heimatlosigkeit, Vertreibung, Traumatisierung. Und für Kinder und Jugendliche der komplette Wegfall jeglicher Bildungsmöglichkeiten.

Ziel des EduCare Europe Fund ist es, diese Kinder aus der Ukraine zu unterstützen – durch Education & Care. Mit den Mitteln des Fonds werden ausgebildete Notfallpädagogen finanziert. Sie helfen traumatisierten Kindern und erleichtern ihnen den Weg zurück in den Schulalltag.

PATRIZIA Child Therapy Augsburg, Deutschland - Ziegelhof, Kinder

„Die Geflüchteten durchleben gerade einen Alptraum. Neben dem Wiederaufbau wird genauso entscheidend sein, ein Netzwerk von Spezialisten auszubilden, die den Menschen bei der Verarbeitung des Erlebten psychologisch zur Seite stehen. 

Pater Waldemar Pawelec, Pallottiner

Projektpartner der PATRIZIA Foundation

Hilfe in drei Schritten

Notfallpädagogik

Derzeit steht es im Vordergrund, den Kindern einen sicheren Rahmen zu schaffen. Innerhalb dieses Rahmens werden positive Gemeinschaftserlebnisse ermöglicht. Dabei wird vor allem mit dem Körper gearbeitet, um das Nervensystem zu entlasten. Und es werden Tätigkeiten angeboten, die dem Kind ermöglichen, sich selbst auszudrücken.

Dabei führen wir mit den Kindern die Gespräche so, dass sie selbst keine Fragen beantworten müssen. Sie können selbst entscheiden, was sie erzählen möchten und ob sie überhaupt etwas erzählen wollen. Die Kinder sollen im Gespräch mit den Pädagogen wie auf einem Gedankenspaziergang mitgenommen werden, damit sich neue Assoziationen bilden können. Märchen sind in dieser Lebenslage ein probates Mittel, da in den „Bildern“ oft die eigene Situation von Verlust und Angst, von Gut und Böse sehr eingängig beschrieben wird. Und – ganz wichtig – am Ende das Gute immer gewinnt. Zudem zeigen wir ihnen, wie sie sich mit Lernhilfen das durch das Trauma verlorene Wissen wieder zurückerobern können – sei in der Mathematik oder in einer Fremdsprache.

Fortlaufende Unterstützung 

In einer zweiten Phase realisieren Kinder viel bewusster, was passiert ist. Je nach Alter passiert das früher oder später. Jetzt ist es wichtig, die Kinder zu begleiten, damit sie Strategien kennenlernen, um die neuen Anforderungen meistern zu können. Hier muss das Lehrpersonal auf die angeborene Neugierde setzen und die natürliche Lernfreude der Kinder mobilisieren. Das ist eine echte Herausforderung, noch dazu, wenn das – wie so oft – in einer neu zu erlernenden Sprache gelingen muss.

Erst in der dritten Phase versucht man, verstärkt am Selbstwertgefühl der Kinder zu arbeiten und die eigene Stärke und Kontrolle über das eigene Leben wieder zu erlangen.

Was ist Notfallpädagogik?

Notfallpädagogen sind Brückenbauer. Und überall da im Einsatz, wo plötzlich und unvorhergesehen eine Situation in Schieflage geraten ist. Sie kümmern sich beispielsweise um Schulbücher, wenn es keine gibt. Oder sie zeigen den Pädagogen, wie sie auch ohne Bücher unterrichten können. Das ist besonders in Flüchtlingslagern der Fall – denn da gibt es ja keine „offiziellen“ Schulen. Notfallpädagogen sorgen dafür, dass die Kinder trotz der schwierigen Umstände Lernen können. Sie arbeiten so, dass die Unterrichtsmethodik im Vordergrund steht und gewählt ist, dass der Unterrichtsinhalt prozessual verarbeitet werden kann.

Gemeinsam helfen

Viele unserer Partner fühlen sich überfordert und allein gelassen im Umgang mit Kindern aus Krisengebieten. Sie spüren, dass das, was die Kinder erlebt haben, eine andere Antwort braucht als nur „Das Kind kann wieder in die Schule gehen“. Es ist eine Integrationsaufgabe, die immer die ganze Klasse und die ganze Schulgemeinschaft betrifft.

Diese Aufgabe kann die Schule nicht alleine bewältigen, deshalb braucht es außerschulische Räume, als Rückzugsort, als Ort der Freude, ohne Angst vor Überforderung, um stark zu werden. Wenn diese Räume dann auch noch mit den Schulen verbunden sind, können auch entsprechend Sprachunterricht, Elternarbeit und andere schulnahe Programme angeboten werden.

Für diese Integrationsarbeit haben wir das Know-how, um Betreuungs- und Lehrkräfte weiterbilden zu können. Die PATRIZIA Foundation arbeitet hier mit Partnern zusammen. So etwa mit stART international e.V. Diese Hilfsorganisation (emergency aid for children) ist sehr erfahren mit der Arbeit in Safe Places oder Child Friendly Places, wo sie den Kindern psychosoziale Aktivitäten anbieten. Auch langjährige Partner der Stiftung, wie beispielsweise die Pallottiner und die Missionsbenediktinerinnen kümmern sich in Osteuropa um die ankommenden Flüchtlinge, geben ihnen genau das: einen sicheren Aufenthaltsort. 

Die Einrichtung von „Safe Spaces“ mit den Partnern

Mit den Mitteln aus dem EduCare Europe Fund unterstützt die PATRIZIA Foundation diese Partner bei der Einrichtung solcher sicheren, kindgerecht ausgestatteten „Safe Spaces“. Geplant und ausgelegt sind sie als mittelfristige Maßnahme, zunächst für eine Dauer von drei bis 12 Monaten, abhängig vom Bedarf. Die „Safe Spaces“ bieten neben den Kindern selbst auch deren Müttern oder anderen Begleitpersonen einen geschützten Raum, in dem sie Spielen, Lernen oder einfach Kuscheln können. In der Nähe von Warschau planen die Pallottiner gerade einen solchen „Safe Space“. Er wird ca. 150 Menschen beherbergen können.

Wir handeln jetzt. Wir handeln beherzt.

Die Flüchtlingssituation aufgrund des Krieges in der Ukraine bringt eine Vielzahl von Herausforderungen mit sich. Eine dieser Herausforderungen ist, dass die Zeit drängt. Kinder, Jugendliche und Begleitpersonen, die ihre Heimat verlassen mussten, benötigen unsere Hilfe jetzt. Wir sind schnell, pragmatisch und beherzt von der Planung zum Handeln übergegangen: In den ersten beiden Projekten sind wir bereits dabei, unsere Ziele umzusetzen und bei weiteren Projekten stehen wir kurz vor dem Start. 

Einblick in unsere Aktivitäten

Augsburg

Zur Umsetzung eines umfangreichen Pakets an Fördermaßnahmen kooperiert die PATRIZIA Foundation in Augsburg mit den Organisationen „Ukrainischer Verein e.V.“ und „Deutsch-Ukrainischer Dialog“. Der Fokus der Arbeit liegt auf gezielter Förderung ukrainischer Kinder und Jugendlicher in Form von Kursangeboten, schulischer Unterstützung, kulturellen sowie Freizeitaktivitäten und notfallpädagogischer Intervention. Mit niederschwelligen Angeboten wird die Integration gefördert und Unterstützung bei der Alltagsbewältigung geboten. Gemeinsam mit dem Partner „sTART International e.V.“ sorgen wir für die professionelle Schulung der Freiwilligen, die in direktem Kontakt mit den Kindern und Müttern stehen. Somit stellen wir sicher, dass die Hilfe nachhaltig und adäquat geleistet wird.

Warschau

Gemeinsam mit unserem Partner, dem Orden der Pallottiner, sind wir dabei, für insgesamt 200 Personen (130 Kinder /
Jugendliche und 70 Mütter) Unterkünfte zu schaffen. Darüber hinaus werden drei „Safe Spaces“ eingerichet, die als Ort der Unterstützung und Begegnung dienen und wo wir zudem notfallpädagogische Maßnahmen durchführen können. Um die Nachhaltigkeit des Projekts zu sichern, wurden Förderprogramme konzipiert. Hierbei werden Mütter sowie externe Betreuungs- und Lehrpersonen auf die Anforderungen im Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen vertraut gemacht.

Auf dieser Basis können die Kinder und Jugendlichen auf ihrem Weg in die „neue Normalität“ begleitet und seelische Wunden geheilt werden.

Spielkisten: Wertvolles Element & Schatzkiste zugleich   

Spielen ist ein Urbedürfnis jeden Kindes. Über das Spiel erreichen Kinder für sie interessante Ziele – und sind dabei, was die einzelnen Teilprozesse des Erlangens angeht, freier Gestalter ihrer eigenen Handlung und Vorgehensweise. Das Alter des Kindes bestimmt maßgeblich die Komplexität des Spiels.

Damit ein Kind seine Vorstellungen in einem solchen Spielprozess verwirklichen kann, braucht es eigentlich nicht viel, denn die meisten Kinder verfügen über eine ganz wunderbare Fantasie, die allein schon nahezu ausreichend ist. Materialien, die universell genutzt und angepasst bzw. verändert werden können, unterstützen diese aber nochmals enorm. Nehmen wir das Beispiel der Bauklötze: Diese muss ein Kind sehr exakt benutzen, sonst stürzt das Bauwerk ein. Diese Geschicklichkeit ist für Kinder eine Herausforderung, die die kleinen Baumeister als absolut spannend empfinden.

Legobausteine sind immer dann das Spielgerät der Wahl, wenn ein Kind zwar eine äußere Hülle errichten möchte, sich aber eigentlich viel mehr auf das Innenleben seiner Kreation fokussiert, Lebenswelten nachbaut und sich im imitierenden Spiel ausdrückt. Stofftiere, Puppen und Spielzeugautos werden dabei so genutzt, dass ein Eindruck der Außenwelt nachgespielt wird, und durch das Kombinieren von Lebensrealitäten ganz neue, spannende Geschichten entstehen.

Die Spielkisten sind deshalb vom Verhältnis her so zusammengestellt, dass sie einen großen Anteil an multifunktionalen Materialien und einen eher geringen Anteil an definierten Materialien beinhalten. Je älter ein Kind ist, desto interessanter werden sog. Regelspiele, also Springseile, Bälle, Murmeln oder auch Spielkarten und Brettspiele, da es sich bei diesen mit anderen Personen – Freunde, Familie – messen kann. Mit Puzzlespielen oder Memory-Karten testen Kinder auch gerne ganz für sich ihre Fähigkeiten.

Zum Spiel gehört immer der kreative Ausdruck. Im Spielprozess ist dieser durch Handlung sichtbar, beim Malen hingegen drückt das Kind seine individuelle Vorstellung aus. Papier und Stifte ebenso wie (Straßen)kreiden sind deshalb ein ganz wesentlicher Bestandteil, quasi ein „Muss“ in jeder Spielkiste. Man kann diese Spielutensilien gemeinschaftlich nutzen, kommt dabei ins Gespräch, tauscht sich aus. Die Kids genießen das. Auch Bücher – sei es zum Selbstlesen oder Vorlesebücher – sollten ebenfalls in jede Spielkiste hinein. Denn außer selbst zu Schmökern, ist für Kinder nur noch das gebannte Zuhören beim Vorlesen schöner.

Je nach dem Alter der Kinder, an die die Spielkiste geht, kann diese auch Materialien beinhalten, die den Wissensdrang anregen und Schreibblöcke, auf denen sie ihre eigenen Gedanken aufschreiben können.

Wir sehen also: Spielekiste ist nicht gleich Spielekiste. Je nach Alter der Kinder, an die sie abgegeben wird, sollte sie adäquat bestückt und ergänzt werden. Und wenn sie einmal in den Safe Places nicht mehr gebraucht wird, kann sie ganz einfach wieder „zurück in den Kreislauf“ eingebracht werden und an Schulen oder anderen Einrichtungen abgegeben werden.

 

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